
Vom Centralbahnhof zum Central Quartier.
Über 175 Jahre urbane Geschichte: Wie das Münchner Bahnhofsviertel zum ersten neuen Zentrum außerhalb der Altstadt wurde – und woran das heutige Central Quartier anknüpft.
Eine polyzentrale Großstadt entsteht.
Mit der Stadtgründung 1158 lag Münchens Mittelpunkt am heutigen Marienplatz. Über Jahrhunderte blieb der Schrannenplatz der zentrale Ort des städtischen Lebens – flankiert vom Regierungssitz in der Residenz.
Erst im 19. Jahrhundert entstanden weitere Zentren: Max-Joseph-Platz, Odeonsplatz, Karlsplatz-Stachus, Sendlinger Tor. München wurde – Schritt für Schritt – zur polyzentralen Großstadt.

Der Centralbahnhof wird zum neuen Zentrum.
Mit der Anlage des neuen Centralbahnhofs außerhalb des Karlsplatzes – an Stelle des ersten provisorischen Bahnhofs nahe der heutigen Hackerbrücke – entstand ein neues städtisches Zentrum. Nicht nur für Wirtschaft und Infrastruktur: rund um den Bahnhof bildeten sich großstädtische Hotels, Vergnügungseinrichtungen, Theater und Promenaden.
Das Bahnhofsviertel war bis ins 20. Jahrhundert hinein einer der zentralen Orte für das städtische Leben Münchens – international, dicht, vielfältig.


„Es entstand eine polyzentrale Stadt – und um den neuen Centralbahnhof ein eigenes Zentrum für das städtische Leben."
Zerstörung, Wiederaufbau, Wandel.
Die nahezu vollständige Zerstörung des Bahnhofsviertels im Zweiten Weltkrieg und der Bedeutungswandel als zentraler Ort des Ankommens führten zu einem tiefgreifenden Wandel des Viertelcharakters – bis heute mitgeprägt vom Zuzug der Gastarbeiter:innen seit Mitte der 1950er Jahre.
Die historische Dichte ging verloren, doch das Viertel blieb international, vielfältig und urban – und entwickelte über Jahrzehnte eine neue, eigene Identität zwischen Hotellerie, Handel, Gastronomie und Wohnen.

Warum heute vom Quartier die Rede ist.
Quartiere sind heute überschaubare Bereiche einer Stadt mit vergleichbaren Merkmalen und identitätsstiftendem Charakter. Ihre Grenzen sind nicht starr, sondern ergeben sich aus räumlichen Merkmalen, Nutzungen und gemeinsamer Geschichte.
Gerade in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt zeigt sich, wie stark das Bedürfnis nach konkreten Identifikationsorten geblieben ist: geläufig sind bis heute Begriffe wie Gärtnerplatzviertel, Schlachthofviertel, Wiesenviertel oder Klinikviertel – obwohl ihre Grenzen im Alltag oft unscharf sind.
Der Begriff Central Quartier nimmt diese heutige Definition bewusst auf. Er beschreibt den Bereich rund um den Hauptbahnhof als eigenständigen urbanen Zusammenhang – in Abgrenzung zu den benachbarten Quartieren und zugleich mit Rückbezug auf die historische Rolle des Viertels als Zentrum der Stadt.
Ein Quartier definiert sich neu.
Quartiere sind heute überschaubare Bereiche der Stadt mit vergleichbaren Merkmalen und identitätsstiftendem Charakter. Der neue Begriff des Central Quartiers nimmt diese Definition auf – in Abgrenzung zu den benachbarten Wiesen- und Klinikvierteln.
Mit dem Neubau des Hauptbahnhofs, über 230.000 m² neuer Bürofläche, neuen Hotelprojekten und kulturellen Einrichtungen beginnt eine neue Phase der Stadtentwicklung – an einem Ort, der schon im 19. Jahrhundert ein Zentrum war.
Quelle: Franz Schiermeier, „Zentrum und Quartier in der Ludwigsvorstadt", München, 10.12.2025.
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